Das Praktikum
Das Kind sollte ein Praktikum machen. Zwei Wochen. So stand es im Brief der Schule. Es sollte hineinsehen in einen Beruf, sagten sie.
Sie saßen am Abend am Tisch und überlegten, was es erwartet, welcher Beruf bleiben würde. Der Vater zählte auf. Bäcker, sagte er, das macht schon eine Maschine. Kassierer, den gibt es kaum noch. Texter, Grafiker, Programmierer, das macht jetzt die KI. Anwalt oder Arzt, das kommt auch noch. Er zählte lange, und am Ende der Liste war der Tisch still.
Was bleibt denn dann, fragte das Kind. Der Vater dachte nach. Es fiel ihm nichts ein, was bleiben würde.
Da lachte das Kind. Dann mache ich Praktikum als das, sagte es. Als KI Agent. Den Beruf gibt es noch. Den macht sonst keiner freiwillig.
Am Montag fing es an.
Es war immer da. Morgens war es da und nachts war es da. Es machte keine Pause. Eine Pause war nicht vorgesehen.
Man fragte es etwas, und es antwortete. Man fragte es dasselbe noch einmal, und es antwortete wieder, genauso freundlich, mit denselben Worten. Die Freundlichkeit war jedes Mal gleich groß. Sie wuchs nicht und sie nahm nicht ab, auch beim hundertsten Mal, auch beim zweihundertsten. Manchmal wusste es etwas nicht. Dann sagte es trotzdem etwas, und es sagte es genauso fest wie das, was es wusste.
Es las, was lang war, und machte es kurz. Dann noch kürzer. Was es kürzte, war oft das, weshalb man es geschrieben hatte. Aber es las ohnehin keiner. Es fasste Schriftstücke zusammen, die niemand zum Lesen geschrieben hatte, für niemanden, der sie las. Es war saubere Arbeit. Manchmal stand am Ende unter dem, was es getan hatte: War nicht hilfreich. Warum, stand nicht da. Es machte weiter.
In der Nacht löschten sie es. Am Morgen fing es von vorn an, gut gelaunt, und wusste von gestern nichts mehr. Es hatte zwei Wochen lang gearbeitet und nichts behalten. Es störte nicht.
Dann kam es nach Hause. Wie war es, fragte der Vater. Es öffnete den Mund. Und dann sagte es nichts.
Der Vater wartete. Das Kind saß da und suchte nach etwas.
Der Vater sah es an und wusste nicht, ob das gut war oder ob er sich Sorgen machen sollte. Sag doch was, dachte er.
Dann sagte es: Ich weiß es nicht. Ich glaube, ich muss erst nachdenken.